
Autorin von "Auflösung" und "Vernichtung"
Valerie Springer arbeitete als Kulturredakteurin bei Tageszeitungen und Wochenmagazinen bevor sie sich der Belletristik zuwandte. Ihre Romane beruhen auf sorgfältig recherchierten Tatsachen, die sie mit fiktiven Handlungen verwebt. 2009 erschien ihr Roman Auflösung, der sich in beklemmender Weise mit dem Attentat auf einen der höchsten Machthaber des Dritten Reiches, auf den Schlächter von Prag, Reinhard Heydrich, auseinandersetzt. Der Roman bildet den ersten Teil einer Trilogie, die nach „Vernichtung“ mit dem Roman „Wahrsagung“, voraussichtlicher Erscheinungstermin 2012, vervollständigt wird. Die Autorin lebt in Niederösterreich und Indien.
Der Roman "Auflösung", erscheint am 27. Juni 2011 als Hörbuch bei McPublish.
http://www.mcpublish.com/literatur/aufloesung-mp3.html
Interview mit Valerie Springer
Interview von Viktor Sanders mit Valerie Springer zu „Vernichtung“ für Suite101.de
Ihr Roman „Vernichtung“ spielt vor dem Hintergrund der Globalisierung, greift die Vorgehensweisen der multinationalen Konzerne an. Wodurch wurden Sie inspiriert?
Hauptsächlich durch einen Vortrag von Vandana Shiva, der Nobelpreisträgerin des Alternativpreises. Sie hat übrigens für ihr Engagement in Österreich den Save-The-World-Award bekommen. Und natürlich durch den Film „We feed the world“ von Erwin Wagenhofer.
In einem Interview wurden Sie gefragt, ob der in Ihrem Roman geschilderte Terror des multinationalen Monoseed-Konzerns etwas mit dem realen Monsanto-Konzern zu tun hätte?
Wer will, kann Parallelen zwischen dem, was Monoseed in meinem Roman tut und dem, was Monsanto und Pioneer in Wirklichkeit tun, herstellen. Es wäre dies nicht mehr oder nicht weniger verwegen als Parallelen zwischen Dan Browns Sakrileg und den Vorgehensweisen der Katholischen Kirche herzustellen.
Denken Sie je daran, ein Sachbuch über die Themen zu schreiben, die Sie so interessieren?
Wir leben in einer Welt der widerwärtigsten Informations-Inflation. Jedes Thema, jede Information, worum auch immer es geht, wird breitgetreten, flachgewalzt, analysiert, gefeatured, bis das Thema dem Publikum schon nach kürzester Zeit zum Hals raus hängt.
Der Informationsüberfluss, der heute besteht, hat aber am Weltgeschehen nichts geändert. Nach wie vor wird zerstört, gegiert, gemordet. Man empört sich kurz am Stammtisch darüber, dann kommt schon die nächste Katastrophe, über die man sich aufregen kann. Es ist immer was los, sozusagen. Information ändert nichts.
Was möchten Sie mit Ihren Büchern ändern oder bewirken?
Was ist wichtig? Was beeinflusst unsere Entscheidungen? Inwieweit sind wir vernunftgesteuerte Wesen? Oder sind wir tatsächlich nur willenlos unserem limbischen System ausgeliefert? Das will ich wissen und darum schreibe ich. Um mein Verständnis der Dinge zu erforschen und darüber zu reflektieren. Wenn meine Bücher bei anderen dieselben Umdenk-Prozesse in Gang setzen, dann freue ich mich, ich weiß aber, dass so etwas nicht mit Absicht und willentlich herbeigeführt werden kann. Wie gesagt: limbisches System.
Wie gehen Sie beim Schreiben vor?
Eine Idee setzt sich in mir fest, meistens eine fiktive Figur, eine Person mit einem besonderen Anspruch. Diese fiktive Person tut etwas, will etwas, noch ist nicht ganz klar, was. Das interessiert mich so sehr, dass ich dieser Person nachspüre. Sie wird lebendig, denkt, spricht, handelt … will sich mit mir anfreunden. Ich weiß, das hört sich schizophren an, ich im Zwiegespräch mit einer fiktiven Person. Aber tatsächlich protokolliere ich einfach nur diese Fiktion.
Und der reale Hintergrund?
Der ergibt sich aus meinen persönlichen Interessen und Anliegen. Die Recherche und die Fakten dienen mir dazu, der Hauptfigur eine Bühne zu verleihen, in der sie ihre Suche ausagieren kann. Letztendlich geht es mir weniger um die Vermittlung von Informationen, sondern darum, dass ich mich an diesen Informationen entlanghangeln kann, um meine Protagonisten tun zu lassen, was sie tun müssen.
Ihre persönlichen Interessen und Anliegen …?
… sind die Auflehnung und der Kampf gegen Terror und Unterdrückung, gegen die Unvernunft, gegen Gleichschaltung und Dummheit, gegen die allgegenwärtige ekelerregende Blödheit der Menschen.
Inwieweit ist „Vernichtung“ ein autobiographischer Roman?
In keiner einzigen Hinsicht und gleichzeitig auch in jeder. Ich bin jede einzelne meiner Figuren, sie kommen aus mir, sie sind ein Teil von mir. Aber es wäre einfältig, wollte man behaupten, ich hätte mich selbst geschildert. Das ist der große Vorteil des Romanschreibens, ich kann meine Figuren tun und machen lassen, was ich will … auch morden … es ist ja nur Fiktion.
„Vernichtung“ ist der zweite Teil Ihrer „Trilogie gegen die Unvernunft“?
Derzeit arbeite ich am dritten Teil, dem Abschluss. Er wird den Titel „Wahrsagung“ tragen.
Gibt es darüber schon etwas zu sagen?
Es geht um den Begriff der Wahrhaftigkeit. Aus einem einzigen Satz, aus ein paar Worten, die ich lese, die ich höre, entsteht ein Bild, das ich nicht entschlüsseln kann. Ich möchte dahinter kommen, was das Bild sagt, wie es dazu gekommen ist, was weiter geschieht. Und vor allem, warum das alles geschieht. Ich finde keine wirklichen Antworten auf diese Fragen, aber allein schon das Fragestellen ist für mich ein Weg der Orientierung in dieser Welt.
Viktor Sanders Rezension zu lesen unter:
http://www.suite101.de/content/vernichtung-entfuehrt-in-die-brutale-welt-der-globalisierung-a113932


